Das Kind im Mittelpunkt

Sanitätshaus – Orthopädietechnik – Hilfsmittel: Wer denkt bei diesen Begriffen schon an Kinder? In der Praxis sieht das anders aus. Die Versorgung unserer jüngsten Kunden, gerade im Bereich der Orthopädietechnik, macht einen ganz erheblichen Teil unserer täglichen Arbeit aus.

Viele Kinder sind mit Handicaps behaftet – die einen nur ganz geringfügig oder vorübergehend, andere haben schwerste Einschränkungen, oft ihr Leben lang. Diese Kinder in jedem Abschnitt ihres jungen Lebens optimal zu versorgen, stellt im Vergleich zu Erwachsenen einen Orthopädietechniker vor eine ungleich schwierigere Aufgabe. Soll ein Kind mit einem Hilfsmittel versorgt werden, kommt es nicht ausschließlich darauf an, dass es selbst mit dem Produkt gut zurechtkommt und zufrieden ist. Vielmehr gilt es, die verschiedensten Interessen aller Personen, die in seinem Alltag eine Rolle spielen, bestmöglich zu vereinen. So ist es aus meiner Sicht unerlässlich, mit allen Beteiligten das Gespräch zu suchen, noch besser, sie alle an einen Tisch zu bekommen, bevor ich mit der Konzeption beginne. Der behandelnde Arzt, der Physiotherapeut, der Ergotherapeut, Eltern, Lehrer oder Erzieher – sie alle sollen ihre Vorstellungen äußern und begründen dürfen. Und natürlich ist auch das Kind selbst gefragt.

Mediator-Funktion

Sämtliche Wünsche der Beteiligten zu erfüllen, ist allerdings zuweilen schlicht unmöglich. Meine Funktion sehe ich dann als eine Art Mediator, der sich gegenüber allen Argumenten offen zeigt und versucht den bestmöglichen Kompromiss herbeizuführen, mit dem am Ende jeder zufrieden ist. Im direkten Kontakt mit diesen Personen erhalte ich weitere wertvolle Informationen, die unbedingt in die Planung einfließen sollen, beispielsweise zum Entwicklungsstand, eventuellen Entwicklungsverzögerungen oder einer geistigen Beeinträchtigung des Kindes. Weitere Besonderheit bei der Versorgung von Kindern: Sie wachsen noch – ein Umstand, der sowohl bei der Konzeption Berücksichtigung finden muss als auch bei der Häufigkeit der sich anschließenden Kontrolltermine.

Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt

Für mich stellt die Versorgung eines Kindes stets eine enorme, aber auch willkommene Herausforderung dar. Jede Produktanfertigung für einen jungen Menschen ist hoch individuell und extrem zeitaufwendig. Sie erfordert außerdem viel Geduld, nicht nur bei den einzelnen Herstellungsschritten, sondern auch im Umgang. Denn Kinder haben Ängste, verweigern die erforderliche Mitarbeit, sind passiv oder aggressiv, brauchen viel Zeit und Zuwendung. Um dennoch das optimale Ergebnis zu erzielen, sind ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, auch gegenüber den Eltern, und viel Erfahrung erforderlich. Regelmäßige Fortbildungen sind für diese verantwortungsvolle Tätigkeit ebenso unerlässlich wie der ständige interdisziplinäre Austausch.

Spaß an der Arbeit

Doch neben all diesen unbestritten wichtigen fachlichen und menschlichen Herausforderungen ist für mich auch nach Jahrzehnten der Spaß an der Arbeit immer noch der Motor für mein Engagement. Und schließlich: Das Ergebnis gibt mir wieder viel von dem zurück, was ich eingesetzt habe.

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